Geschüttelt, nicht gerührt

Christian Schleifer über seinen neuen Krimi, Shakespeare und den (mittlerweile) berühmten Perchtoldsdorfer Schüttelwein.

29. Januar 2019

Lesezeit: 10 Minuten

Geschüttelt, nicht gerührt

"Ich habe schon immer gern gelesen, von Comics über Karl May bis Stephen King und William Shakespeare."

Geschüttelt, nicht gerührt
Geschüttelt, nicht gerührt
Geschüttelt, nicht gerührt
Geschüttelt, nicht gerührt

„20 Jahre im Hamsterrad der schnelllebigen Berichterstattung im Journalismus waren irgendwann genug. Ich brauchte einfach wieder mehr Zeit für meine Familie und für mich."

Geschüttelt, nicht gerührt

Wenn man seinem Deutschprofessor vorschlägt, statt langweiliger Hausübungen lieber am Ende des Schuljahres einen vollständigen Roman vorzulegen, kann man sich gewissermaßen ausmalen, in welche berufliche Richtung sich besagter Schüler einst entwickeln wird. Christian Schleifer, geboren und aufgewachsen in Perchtoldsdorf, wurde das Schreiben in die Wiege gelegt. „Ich habe schon immer gern gelesen, angefangen von Comics über Karl May bis Stephen King und letztlich William Shakespeare.“ Der erste Berufswunsch? – „Journalist.“ Da es in den achtziger Jahren jedoch kein spezielles Studium dafür gab, entschied sich Christian, in Wien Germanistik und Anglistik zu studieren. Während der Studienjahre heuerte er bei einer großen Zeitung an, half beim Aufbau eines Onlineportals mit und wurde nach seinem Abschluss sogleich angestellt. Bis 2015 blieb er dem Medium treu, dann verließ er die Branche. „Ich wollte aus dem Hamsterrad der schnelllebigen Berichterstattung raus, brauchte einfach Zeit für meine Familie – wir hatten kleine Kinder, da wollte ich mich auch mehr einbringen.“ Ein halbes Jahr lang tüftelte er an seinem Neustart, bis er eines Tages das Manuskript eines alten Kriminalromans aus der Schublade zog. Tage und Wochen des Überarbeitens folgten. Der Roman landete schließlich wieder in besagter Schublade und Christian schriebe einen komplett neuen, aber mit demselben Personal: Das Resultat war „Tod in Perchtoldsdorf“ und ist heute in jedem Buchladen landauf und -abwärts käuflich erwerbbar, hat sich sofort gut verkauft und war über 3 Monate in den Top 10 der österreischischen Bestsellerlisten!

Ich schrieb einen Roman anstelle von Hausübungen
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Charlotte ermittelt
„In dieser Krimireihe geht es um die Ermittlerin Charlotte Nöhrer: Eine sture und ehrgeizige, lesbische junge Frau kehrt ihrem konservativen Heimatort Perchtoldsdorf den Rücken, um in Wien die Ausbildung zur Polizistin zu absolvieren. Zehn Jahre später kehrt sie zurück, wird Juniorchefin des familieneigenen Weingutes, baut dieses zum Hotel aus und stolpert auf ihrem Weg zu mehr Modernität im Winzertum immer wieder in das eine oder andere Mordkomplott.“ Eine nicht unwesentliche Rolle spielen dabei die Wahrzeichen des Ortes wie etwa der Wehrturm, diverse Heurige sowie der eigens für die Aufführung von „Ein Sommernachtstraum“ kreierte Schüttelwein. „Im Buch geht es darum, dass Charlotte Nöhrer im Zuge der Perchtoldsdorfer Sommerspiele versucht, ihre neueste Weinkreation an den Mann oder die Frau zu bringen.“ Der Name Schüttelwein ist von William Shakespeare inspiriert. „Es ist sozusagen der Running Gag im Roman, da Charlotte immer wieder von Freunden und Bekannten darauf aufmerksam gemacht wird, wie plump der Vergleich mit William „Schüttelbier“ sei und wie dämlich der Name doch anmutet“, erzählt Christian. Inspiriert hat ihn übrigens eine Erinnerung an einen früheren Besuch der Sommerspiele: „Das Stück wurde tatsächlich im Jahr 1996 im Zuge der Festspiele aufgeführt und hat mir erste Ideen zum Roman geliefert. Und den Schüttelwein gibt es ebenso im realen Leben, mein guter Freund Georg Nigl produziert ihn!“ War der Wein – ein Rosé Nizzante – ursprünglich nur als Kostprobe bei seinen Lesungen gedacht, so übergab er letztlich Pandemie-bedingt einen Teil der rund 50 Flaschen seinen Buchhändlern. Dann entwickelte der Wein schließlich ein Eigenleben: „In der Danksagung des Buches wird das Weingut natürlich erwähnt, was zur Folge hatte, dass immer mehr Leserinnen und Leser bei Georg vor der Tür standen und eine Flasche des edlen Tropfens erwerben wollten.“

Die Namen meiner Kinder
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Fortsetzung folgt
Christian Schleifers Krimireihe ist von den Menschen der Region und von der Kulturlandschaft selbst geprägt. „Die nächsten Bände sind bereits fertig, aktuell arbeite ich am sechsten Teil und vielen weiteren Ideen, die in mir schlummern und ungeduldig auf die Umsetzung warten. Festivitäten wie der berühmte „Perchtoldsdorfer Hiataeinzug“, der übrigens auch im Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes der UNESCO gelistet ist, spielen in den Fortsetzungen eine tragende Rolle.“ Das Perchtoldsdorf, wie er es in seinen Romanen darstellt, hat einen modernen und zugleich etwas konservativen Dorfcharakter, hinzu kommt der Plot, den er für die Erzählung benötigt: „Wer das Buch liest und herumgeht, wird vieles wiedererkennen und Sachen entdecken, die tatsächlich existieren.“

Liebeserklärung an Perchtoldsdorf
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Geschüttelt, nicht gerührt

„Hätte der liebe Gott einen perfekten Platz zum Leben geschaffen, Perchtoldsdorf wäre dabei herausgekommen.“

Der perfekte Platz zum Leben
Das Feedback, das Christian auf seinen Krimi erhält, zeigt: Die Menschen sind neugierig geworden auf den idyllischen Weinort im Wienerwald.„Leserinnen und Leser aus Deutschland haben sich bei mir gemeldet und geschrieben, dass sie der Region unbedingt einen Besuch abstatten möchten.“ Etwas das Christian Schleifer nur wärmstens empfehlen kann. Nicht umsonst findet sich in den Zeilen des Buches der eine Satz: „Hätte der liebe Gott einen perfekten Platz zum Leben geschaffen, Perchtoldsdorf wäre dabei herausgekommen.“

Zur Person

Christian Schleifer ist gebürtiger Perchtoldsdorfer und arbeitete nach erfolgreichem Studium der Anglistik und Germanistik über 20 Jahre lang als Journalist, bis er 2015 beschloss, wieder zu schreiben. „Tod in Perchtoldsdorf“ ist im Emons-Verlag erschienen und der erste Teil der Krimireihe rund um Kommissarin Charlotte Nöhrer. Unser Tipp: Genießen Sie ein Glas Schüttelwein des Naturweingutes Nigl zur Buch-Lektüre!

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Text: Sabine Ertl
Video, Audio und Fotos: Daniel Gollner

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