Die Küchenmannschaft des Figl., © Rita Newman

Kulinarische Höhenflieger mit Bodenhaftung

Einsteiger, Aufsteiger und Top-Wirt des Jahres

In Niederösterreich wird der Gang ins Wirtshaus noch richtig zelebriert. Aus diesem Grund haben sich rund 220 Häuser zur Niederösterreichischen Wirtshauskultur zusammengefunden. Dem gemeinsamen Ziel gastfreundlicher Genuss-Steigerung folgend, gibt es jedes Jahr eine Ausschreibung zur Prämierung der allerbesten Wirtsleute. Eifrig schlemmt sich ein fachkundiges Testerteam – natürlich anonym – durch das ganze Bundesland und kürt den Ein- und Aufsteiger und schließlich, als Obershäubchen, den Top-Wirt des Jahres.

„Alles begann mit der Gulaschkobra ...“

Begonnen hat die Geschichte der Wirtshauskultur 1994 mit einem losen Zusammenschluss einiger Gasthäuser. Er hatte den wahrlich lässigen Namen „Gulaschkobra“. Einerseits sollte diese Gulaschkobra Jungwirten und Jungwirtinnen eine unbürokratische Betriebsübernahme erleichtern, und andererseits die Partnerschaft zur regionalen Landwirtschaft fördern. Darauf aufbauend entstand 1996 die „Aktion Niederösterreichische Wirtshauskultur“. Seither bürgt das grüne, ovale Schild für höchste Qualität. Zunächst musste allerdings Pionierarbeit geleistet werden. War die gemeinsame Idee größer, als das kochlöffelschwingende Einzelkämpfertum? Manch einer mag befürchtet haben, dass durch die gemeinsame Positionierung potenzielle Gäste verloren gehen könnten. Doch die Synergie-Effekte entkräfteten diese Befürchtungen. Die Niederösterreichische Wirtshauskultur ging auf wie ein gut gerührter Germteig. Nirgendwo sonst in Österreich hat eine Wirtshausvereinigung so viele Mitglieder. Lassen wir die besten drei Wirtshäuser 2018 berichten, welches „gewisse Extra” die Gäste begeistert.

Der Einsteiger des Jahres: Gasthof "Zum Goldenen Löwen" I Maria Taferl

Wer eine Wallfahrt tut, hat einiges zu berichten. Wer nach Maria Taferl zum größten Marienheiligtum des Landes pilgert, noch viel mehr. Denn gemäß der Tradition wird nach dem Besuch der Basilika der (sehr) naheliegende Gasthof „Zum Goldenen Löwen“ aufgesucht, um die religiösen Eingebungen mit einem Schluck Bier zu begießen.

Andreas Frey mit seinem Lieblingsgetränk, © Rita Newman

Schon beim Eintreten in die sagenhaft gemütliche holzgetäfelte Gaststube mit ihrer traditionellen Schank wird eines klar: Hier hätte ein Eigentümer mit weniger Fingerspitzengefühl vielleicht einmal zu oft renoviert. Warum Andreas Frey, Wirt der vierten Generation im Goldenen Löwen, davon abgesehen hat? Sein Urgroßvater war, wie auch Andreas heute, ein Gastronomie-Pionier. Von Auslandsreisen inspiriert, importierte er neue Impulse auf den Tafelberg. Ein aufwendiger Kachelofen und Thonetstühle in der Stube, die absolut legendäre Schank und in der Küche ein großer Herd, auf dem auch heute noch (mit adaptierter Befeuerung) geschmort und gesotten wird.