Mit Herz, Hirn und alten Reben

Mit Herz, Hirn und alten Reben

Vor zehn Jahren war das traditionsreiche und kleine Poysdorfer Weingut Ebner-Ebenauer nur wenigen Insidern bekannt. Heute erobert Winzerin Marion Ebner-Ebenauer mit alten Reben die Weinwelt.

29. Januar 2019

Lesezeit: 10 Minuten

Mit Herz, Hirn und alten Reben

„Wir haben uns zum Ziel gesetzt, Wein zum Ausdruck unserer Gedanken zu machen“

Mit Herz, Hirn und alten Reben
Mit Herz, Hirn und alten Reben

„Manfred hat zwei Jahre um mich geworben, ohne dass ich es bemerkt habe. Da kann man einmal sehen, wie subtil dieser Mann ist“

Mit Herz, Hirn und alten Reben

Das Winzerpaar

Was braucht es, um aus einem eher unscheinbaren Weingut, das nur in die nähere Umgebung verkauft, einen Spitzenbetrieb zu machen, der 70 Prozent seiner Weine ins Ausland exportiert? Möglichst viele Widersprüche! Zum Beispiel Bodenständigkeit und Weltläufigkeit, viel Bauchgefühl und Köpfchen, schnelle Entscheidungen und langen Atem; aber vor allem zwei Menschen mit ganz unterschiedlicher Herkunft und unterschiedlichem Charakter: Marion und Manfred Ebner-Ebenauer.

Berufswunsch: Pferdewirtin

Sie ist 14, aus Wien und hat mit Wein rein gar nichts zu tun. Sie will Pferdewirtin werden, geht auf die Landwirtschaftliche Fachschule in Gumpoldskirchen, lernt dort den Weinbau kennen, vergisst die Pferde und konzentriert sich fortan auf den Wein. Mit 16 arbeitet sie neben der Schule als Praktikantin beim Wiener Spitzenwinzer Fritz Wieninger, mit 19 besucht sie den Weinmanagement-Lehrgang der Weinbauschule in Krems. Dort lernt sie Manfred Ebenauer kennen.

Berufswunsch: irgendwas mit Anzug und Krawatte


Er ist 15, gehört zur 14. Generation einer Poysdorfer Winzerfamilie, will aber wie seine beiden Geschwister nichts mit Wein zu tun haben, sondern etwas „Anständiges“ lernen. Also HAK. Danach studiert er in Wien Betriebswirtschaftslehre, hat im 4. Semester aber die Erleuchtung: „So etwas will ich nicht machen!“ und teilt seinem Vater mit, dass er doch lieber Winzer werden möchte. Im Weinmanagement-Lehrgang in Krems lernt er Marion Ebner kennen. Ein frühes Happy End? Nicht ganz!

Ihr wachsen Flügel, er schlägt Wurzeln

Marion geht an die Weinakademie in Rust, arbeitet ein halbes Jahr bei Wolfgang Puck in Los Angeles, dann als Projektleiterin bei Wein & Co. Daneben vermarktet sie als Negociante Weine von Kamptaler und Carnuntiner Spitzenweingütern unter dem eigenen Label „Melusine“. Sie will unbedingt eigene Weine machen, aber auf keinen Fall in ein Weingut einheiraten – „weil ich in Gumpoldskirchen und in Krems bei meinen Mitschülern gesehen habe, dass dies ungefähr die schlechteste Idee ist, die man haben kann.“ Manfred hingegen experimentiert in dieser Zeit am Weingut herum, bekommt schon einige Anerkennung, kann dies aber nicht so richtig vermarkten. Es hat den Anschein, als ob er nicht nur bei Frauen zu subtil vorgeht. Und das letzte, was er zudem haben will, ist eine Frau, die mit ihm das Weingut führt. Aber man kennt es ja: Das Hirn will das eine, das Herz das andere. Nicht schwer zu erraten, wer da gewinnt.

Was lange währt, wird endlich gut

2007 hat er dann doch um ihre Hand angehalten. „Wir haben beide gemerkt, dass wir ein richtig gutes Team sein könnten“, erzählt Marion. Manfred ist der gelassene, besonnene Tüftler, der am liebsten im Keller werkt und sich Gedanken über die Weine macht, sie mit allen Sinnen erspürt. Marion ist die durchsetzungsstarke Macherin, energiegeladen und immer auf der Suche nach Herausforderungen. Er ist nach wie vor tief verwurzelt in seiner Heimat, sie zieht es immer wieder in die Welt hinaus. Und lernt dabei, die Heimat immer mehr schätzen: „Man darf sich ruhig was aufs Weinviertel einbilden!“. Dass sie es mit den Reisen etwas ruhiger angehen lässt liegt vielleicht auch an Tochter Marie, mitten in der Weinlese 2016 geboren, ein toller Jahrgang also.

Mit Herz, Hirn und alten Reben

„Jeder Rebstock erzählt eine Geschichte. Die schönsten Geschichten erzählen aber die Alten Reben“

Von alten Reben...

Das Winzerpaar übernahm einen sehr traditionellen Weinviertler Betrieb. Das brachte für ein Weingut, das im hochqualitativen Segment unterwegs sein möchte, auch einige erfreuliche Aspekte mit sich. Ohne Aussicht auf Nachfolger wurde nämlich jahrzehntelang nicht in die Weinanlagen finanziert, und so besitzen die beiden nun Weingärten, die 30 bis 70 Jahre alt sind. Nur so alte Rebstöcke, deren Wurzeln sich bis zu 20 Meter tief in die Erde graben, können die Vielschichtigkeit des Bodens widerspiegeln und sorgen damit für besonders komplexe Weine. Dazu kommt, dass die Rebflächen der Ebner-Ebenauers in alle Himmelsrichtungen verstreut und praktisch auf jedem Bodentyp liegen, den es rund um Poysdorf gibt. Diese Bodenvielfalt ermöglicht es dem Winzerpaar, gleich sieben verschiedene Grüne Veltliner zu keltern, wobei jeder seinen eigenständigen Charakter besitzt.

„Wir haben uns zum Ziel gesetzt, Wein zum Ausdruck unserer Gedanken zu machen.“

...und von altem Handwerk Hinter den fabelhaften Weinen steckt weniger Technik und mehr traditionelle Handarbeit als sonst heute üblich ist. So werden alle Trauben per Hand gelesen und der alte Weinkeller kommt ohne Pumpen aus. Wie überhaupt dem Wein im Keller Zeit gegeben wird, was je nach Ausbaustil auch schon mal zwei Jahre dauern kann. Manfred sieht sich da mehr als Weinbegleiter denn als Weinmacher. Da ist natürlich viel Gespür dabei, wobei, wie er zugibt, der Intellekt die größere Rolle spielt: „Wir haben uns zum Ziel gesetzt, Wein zum Ausdruck unserer Gedanken zu machen. Wir diskutieren ihn, bevor wir ihn keltern!“ Das letzte Wort aber hat natürlich die Gattin: „Guter Wein“, sagt sie und tippt sich dabei an den Kopf, „entsteht hier!“

Kontakt

Ganz in ihrem Element erlebt man die Ebner-Ebenauers im Frühjahr, wenn die Weinviertler Winzer „In die Grean“ gehen. Marion spaziert mit Ihren Gästen durch die Poysdorfer Weingärten, später werden im Weingut die Jungweine verkostet, natürlich mit einer schmackhaften Heurigenjause, und für zuhause kann man sich mit den feinen Tropfen der Ebner-Ebenauers eindecken.

Weingut Ebner-Ebenauer
Laaer Straße 3-5
2170 Poysdorf
E-Mail: office@ebner-ebenauer.at
Web: www.ebner-ebenauer.at

mehr zum Thema

Fotos (wenn nicht anders angegeben): Christof Wagner

mehr entdecken

Donau Niederösterreich
Das zweite Gesicht der Wachau
Wenn die Tage kürzer und die Nächte wieder länger werden, verändert sich die einzigartige Seelenlandschaft an der Donau. Ursula Strauss über das andere Gesicht der Wachau.
Wienerwald
Baden wie die Kaiser
Das elegante Baden bei Wien und seine feinen Gäste: Das warme, heilkräftige Wasser Badens zog nicht nur in der Vergangenheit eine prominente Gästeschar an, es sorgt auch heute noch für eine angeregte Atmosphäre. Eine Spurensuche mit Christine Triebnig-Löffler.