Geschichten von der Sommerfrische

Geschichten von der Sommerfrische

Endlose Sommertage und Müßiggang, erquickende Frischluft am Berg und anregende Gesprächen bis spät in die Nacht hinein. Wie die Sommerfrische wirklich war, weiß Eduard Aberham, der vor seiner Pensionierung das Geschick des Hotel Panhans leitete.

29. Januar 2019

Lesezeit: 10 Minuten

Geschichten von der Sommerfrische

„Irgendetwas hat dieses Haus. Energetisch vielleicht? Ich weiß es nicht ...aber es hat irgendwas“

Geschichten von der Sommerfrische
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Geschichten von der Sommerfrische

„Dass man in den Bergen südlich von Wien überhaupt Sommerfrische machte, ist vor allem der 1854 errichteten Semmeringeisenbahn zu verdanken. Dank ihr konnte man auf einmal in nur zwei Stunden der stickigen Großstadt entfliehen“

Geschichten von der Sommerfrische

Sehnsuchtsort Sommerhaus
Eingebettet zwischen Semmering und Rax liegt die idyllische Ortschaft Prein an der Rax – und auf einer Anhöhe der Riegelhof, geplant und erbaut von Max von Ferstl für Heimito von Doderers Vater. Ein Ort, um die Stadt mit ihrem Gestank und ihrer Hitze hinter sich zu lassen. Und für den Schriftsteller Heimito von Doderer ein Ort der Inspiration, wo die Gedanken auf Wanderschaft gingen und die schönsten Geschichten im Gepäck hatten.

Doderers Muse hieß Sommerfrische
Die Doderers blieben meist den ganzen Sommer über in Prein – man sprang zur Abkühlung in den Psychenteich hinterm Haus und genoss das Landleben in vollen Zügen. Originalaufnahmen aus den 40er und 50er Jahren, die die Wände des Hauses zieren, zeigen eine innige Familie. An der Garderobe hängen noch die alten Rucksäcke – unverändert, als wären Heimito, seine Schwester Asti und ihr Mann gerade noch hier gewesen. Doderers Zimmer selbst ist ebenso konservierte Geschichte. Über die Generationen wurde hier bewusst nichts verändert: Im Kasten hängen seine Kleidungsstücke wie damals – sogar eine geöffnete Packung Zigaretten befindet sich noch in einer Manteltasche. Der Schreibtisch hat einen der schönsten Plätze – eigentlich den allerschönsten – im Haus bekommen: Direkt vor dem breiten Fenster, durch das man tief in die Landschaft eintaucht. Hier ist sie entstanden, die berühmte Strudlhofstiege: Doderers großer Gesellschafts- und Großstadtroman über das Wien der Zwischenkriegszeit, das in vielen Rückblenden von der k.u.k. Monarchie handelt und auch die Rax zum Schauplatz des Jahrhundertromanes macht.

Eine Reise durch die Zeit
„Die, die es sich leisten konnten, bewohnten dann meist von Mai bis Oktober ihre Villen und Landsitze. Und die Beamten des wohlhabenden Bürgertums und des niederen Adels wurden während der Sommermonate zu den ersten Pendlern der Geschichte: „Hofratszug“ nannte man etwa den Montagmorgenzug, in dem die Beamten vom Semmering aus jede Woche wieder in die Hauptstadt zur Arbeit fuhren", erzählt Eduard Aberham über die Gewohnheiten der gehobenen Wiener Gesellschaft.

Geschichten von der Sommerfrische

„Sowas wie das Panhans und seine Geschichten, das gibt es heute nicht mehr“

Sehen und gesehen werden

Um 1888 öffnete am Semmering das Panhans zum ersten Mal seine Pforten. Es beherbergte damals wie das Südbahnhotel, das ebenfalls zu dieser Zeit gebaut wurde, und das Kurhaus, das 1909 eröffnete, Adel, Großbürgertum und die Hochfinanz aus allen Ecken der Donaumonarchie. Wer etwas auf sich hielt, den traf man hier. Sogar Erzherzog Karl, der letzte österreichische Kaiser, lernte als Kind hinten auf der Hotelwiese das Skifahren. Spätestens das war der Ritterschlag für das Panhans, das auch Künstler wie Oskar Kokoschka, Arthur Schnitzler, Adolf Loos und später Gerhard Hauptmann oder Stefan Zweig magisch anzog.

„Man machte Geschäfte, verheiratete die Kinder und knüpfte neue Seilschaften“, berichtet Eduard Aberham und beleuchtet den Mythos des Grandhotels. Mit seiner tiefen Stimme fährt er fort. „Wissen Sie, das Panhans war nie ein Hotel. Es war ein Treffpunkt. Niemals prangte das Wort Hotel an der Fassade. Es war immer schon viel mehr als das. Und darum wird es auch immer wieder scheitern, wenn es nur ein Hotel sein soll.“

„1928 veröffentlichten die Semmeringer Nachrichten sogar die Gästeliste des Panhans“, erzählt er weiter, „stellen Sie sich vor, das würde man heute machen! Vom Kammersänger Leo Slezak bis Josephine Baker logierte damals das Who is who im Grandhotel.“ Aberham weiß von hitzigen Diskussionen um das kaum vorhandene Bananenröckchen der Baker – und hochroten Männerköpfen, die zu glühen begannen, wenn sie von ihren Angetrauten beim sehnsuchtsvollen Schwärmen erwischt wurden! „Die Salons waren die Chatrooms und Single-Börsen der damaligen Zeit.“

Seelenlandschaften

Eduard Aberham bricht eine Lanze für die Wiederentdeckung der Langsamkeit – und für den Urlaub im eigenen Land: „Man fliegt nach Afrika und steht um 4 in der Früh auf, damit man ein Foto von einem Elefanten macht. Würde man hier um 4 in der Früh aufstehen, kann man – mit etwas Glück – sicher keinen Elefanten, aber vielleicht einen Hirsch sehen. Haben Sie schon einmal einen Hirsch in freier Wildbahn gesehen? Das sind ja auch Erlebnismomente, die man genießen kann, und wahrscheinlich genauso unvergessliche.

Kontakt

Noch mehr Geschichten aus dem Panhans und der Gegend um den Semmering finden Sie in Eudard Aberhams 2017 im Kral Verlag erschienenem Buch „Panhans – Ein Hotel und seine Menschen“. Heimito von Doderers ehemaligen Wohnsitz – den Riegelhof – kann man als ganzes Anwesen mieten. Mit seinen sechs Schlafzimmern bieter er viel Platz zum Wohnen – und dank der wunderbaren Veranden und den Originalmöbeln aus anno dazumal fühlt man sich wie auf Zeitreise.

Riegelhof – Landsitz Doderer
Prein 23
2654 Prein an der Rax
www.riegelhof.com

Text und Fotos vom Riegelhof und Eduard Aberham: Magda Bauer/BUERO.BAND
historische Fotos Panhans: zVg. Eduard Aberham
Panoramabild Semmering: Franz Zwickl

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