Einkaufen mit dem „MoSo“-Effekt

Um dem ländlichen Greisslersterben entgegenzuwirken und Ortszentren wieder mit neuen Leben zu erfüllen, hat sich Markus Wegerth etwas Besonderes einfallen lassen. Kleine Container, vollgefüllt mit Produkten, die man im täglichen Leben braucht. Die MoSo-Märkte.

Einfach regional, einfach "MoSo"

„Unser Konzept basiert darauf, dass wir uns auf kleine Ortschaften spezialisiert haben."

Einfach regional, einfach "MoSo"
Einfach regional, einfach "MoSo"

„Mein persönlicher Anspruch ist es, dass ich wissen möchte, was ich meinem Körper an Lebensmittel zuführe. Ich selbst war bei einer Bäckerei im Verkauf tätig und weiß, wieviel Arbeit in einer einzigen Semmel stecken kann."

Einfach regional, einfach "MoSo"
Von der Idee zum Nahversorger-Konzept
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Als Markus Wegerth mit seiner Familie vor einigen Jahren von der Stadt auf das Land nach Neubau im Weinviertel zog, waren es die Natur, die Ruhe, der eigene Garten und die höhere Lebensqualität, die für den Umzug sprachen. „Dass ich jedoch für einen Lebensmitteleinkauf etliche Kilometer mit dem Auto zurücklegen musste, war mir ein Dorn im Auge“, erzählt Markus. Als studierter Betriebswirt, der bereits Berufserfahrung im Lebensmittelverkauf sammeln konnte, musste eine praktikablere Lösung her. „Ich wollte meinen eigenen Beitrag zur Einkaufslandschaft in Österreich leisten.“ Regionale Lebensmittel und Bio-Produkte sollten möglichst unkompliziert und unabhängig von eingeschränkten Öffnungszeiten für die Menschen zugänglich werden. Rund um die Uhr, von Montag bis Sonntag, daher rührt auch der Name „MoSo“. Im Jahr 2017 war es dann soweit: Der erste MoSo-Markt eröffnete. Aus einem Standort wurden mittlerweile zehn und die kleinen Nahversorger-Läden erfreuen sich stetig wachsender Beliebtheit.

Der Anfang war jedoch kein leichter. „Ich mach da kein Geheimnis draus, ich musste viele Klinken putzen gehen“, gibt Markus Einblick in die Unternehmensgründung. Termine bei Gemeinden, Behörden, Verhandlungen betreffend des Ortes, wo der MoSo-Markt aufgestellt werden sollte, Überzeugungsarbeit bei den Lieferanten, fehlende Akzeptanz, wachsende Skepsis, der Weg war mühsam. Doch der lange Atem hat sich bezahlt gemacht. „Heute hat sich der Spieß umgedreht und ich werde von Gemeinden kontaktiert, die mich fragen, ob ich nicht bei ihnen auch einen Markt eröffnen möchte.“ Eine drohende Konkurrenz durch große Handelsketten sieht Markus nicht: „Unser Konzept basiert darauf, dass wir uns auf kleine Ortschaften spezialisiert haben. Große Supermärkte arbeiten diesbezüglich mit ganz anderen Einzugsfrequenzen. Ich sehe eher eine ergänzende Arbeit darin.“

Regionalität am Puls der Zeit

Angeboten wird, was regional ist. „Mein persönlicher Anspruch ist es, dass ich wissen möchte, was ich meinem Körper an Lebensmittel zuführe. Ich selbst war bei einer Bäckerei im Verkauf tätig und weiß, wieviel Arbeit in einer einzigen Semmel stecken kann, wenn man sich mit gesunden, regionalen Zutaten auseinandersetzt. Zeit und Leidenschaft spielen da eine große Rolle. Und letztlich schmeckt das dann auch anders, weil man schlichtweg zu schätzen weiß, was man am Teller hat.“ Dennoch gibt es nicht nur Regionales in den Läden zu finden: Als Nahversorger deckt Markus die Produktpalette vom Waschmittel bis zur Zahnbürste, von der Sonnenmilch bis hin zu Süßigkeiten und gängigen Markenprodukten ab.

Preisentwicklung im Lebensmittelhandel
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Einfach regional, einfach "MoSo"

"Ich wollte meinen eigenen Beitrag zur Einkaufslandschaft in Österreich leisten.“

Die Coronakrise hat das Einkaufsverhalten nachhaltig verändert, findet Markus: „Die Leute haben wieder mehr Bewusstsein für regionale Lebensmittel bekommen. Die Akzeptanz für höhere Preise ist gewachsen, weil man wissen will, wo was herkommt.“ Die zehn Pop-Up-Stores auf Containerbasis finden sich in den Ortschaften Breitstetten, Drösing, Harmannsdorf-Rückersdorf, Katzelsdorf, Pillichsdorf, Poysdorf, Schleinbach, Schönkirchen-Reyersdorf, Seyring und Zwerndorf. Gut besucht sind sie alle, das Thema Diebstahl ist zum Glück vernachlässigbar. „98 Prozent der Menschen, die bei uns einkaufen, sind ehrlich, die restlichen zwei Prozent lassen sich unter dem Begriff jugendlicher Leichtsinn zusammenfassen.“ Und auch hier setzt Markus auf die Aussprache, anstatt auf die Anzeige. „In den kleinen Ortschaften kennen sich die Menschen untereinander, da sind die Täter recht schnell ausgeforscht.“ Da wird als Wiedergutmachung schon mal ein Winter zum Schneeschaufeln vor dem MoSo-Markt in Betracht gezogen, weil der amikale Weg sinnvoller ist als ein Aktenvermerk.

Heimat ist, wo die eigenen Wurzeln liegen

„Niederösterreich ist das Land meiner Wurzeln, ich hatte nie das Verlangen ins Ausland zu ziehen“, begründet der Unternehmer seine Entscheidung für das Landleben und sein Engagement. „Warum soll ich denn von da weggehen, wo es doch für mich am Schönsten ist? Die Menschen hier sind Teil meiner Heimat, das ist mir wichtig.“

Und um diesen Menschen österreichweit in Sachen Einkaufen weiterhin unter die Arme zu greifen, ist aktuell ein Franchiseprojekt in Planung, welches flächendeckend aufgerollt werden soll. Weil es den Nerv der Zeit trifft und weil Markus keiner ist, der im Jetzt stehen bleibt, sondern lieber in die Zukunft investiert. Für Nachhaltigkeit und Regionalität, ebendiese Werte, die er tagtäglich lebt und deren Gedanken er weitergeben möchte. Um Lücken zu schließen und für den Genuss des guten Gefühls.

Text: Sabine Ertl
Video, Audio und Fotos: Daniel Gollner

Expansion in den ländlichen Raum
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Kontakt

Die MoSo-Märkte von Markus und Karin Wegerth sind ausgebaute Container, welche an zehn Standorten im Weinviertel rund um die Uhr von Montag bis Sonntag geöffnet haben. Erhältlich ist in erster Linie alles, was regional ist plus sämtlicher Produkte, die einen Nahversorger ausmachen. Gezahlt wird entweder Bar oder per Bankomatkarte. Ein österreichweites Franchiseprojekt ist derzeit in Planung.

MoSo-Markt
Mag. Wegerth Markus e. U.

Hauptstraße 19
2125 Neubau

Mobil: 0650 911 46 76
Web: www.mosomarkt.at

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