Die Baumhaus Lodge in Schrems

(c) Naturparke Niederösterreich/ weinfranz.at

Der schönste Himmel der Welt

Die tiefen Wälder des Waldviertels beweisen einmal mehr, wie laut Stille sein kann. Autorin Magda Bauer hat ihre alte Heimat besucht und in der Baumhaus Lodge in Schrems übernachtet.

11. Juli 2019

Lesezeit: 10 Minuten

Verliebt bis in die Wipfel

Über Feldwege legen wir die letzten Meter zu unserem ersten Meeting mit der Natur zurück. In Schrems, hoch oben im Waldviertel wollen wir dieses Wochenende einmal ebenso hoch wohnen. Auf bis zu 18 Metern in den Baumkronen, um genau zu sein. Dort oben in einem der Häuser der Baumhaus Lodge werden wir eine Nacht verbringen und in der ersten Reihe sitzen, wenn die Tiere des Waldes zum allabendlichen Konzert einladen, und einige von ihnen aus nächster Nähe beobachten. Schnell und unkompliziert checken wir ein und verlassen den Boden der Tatsachen, um ins grüne Blätterdach zu steigen.

Faszinierend eigentlich, wie gut man sich so hoch über dem Boden erden kann.

Kammersänger Michael Schade in der Stiftsbibliothek

(c) Baumhaus-Lodge Schrems

Mit beiden Beinen fest in den Baumkronen stehen

Oben angekommen, erleben wir den ersten Wow-Moment. Wohlig und geborgen fühlt sich die Lodge an. Zwischen warmem Holz, natürlichen Farben und den großen Panoramafenstern fühle ich mich wie ein Specht im Baumloch. Naja, fast. Der Spagat zwischen luxuriös und der Konzentration auf das Wesentliche ist hier wirklich sehr fein gelöst. Sogar ein Bad mit allem Drum und Dran hat „unser“ Baum zu bieten. Als würde einem die Welt zu Füßen liegen, breitet sich unter uns das grüne Meer des Waldes aus, die Waldviertler Landschaft zeigt sich von ihrer geheimnisvollen Seite. Das warme Gefühl des Ankommens setzt ein.

Der Stiftsinnenhof des Benediktinerstiftes Melk

(c) Baumhaus-Lodge Schrems

Wir machen es uns auf der großzügigen Terrasse gemütlich und lasse den Tag entspannt ausklingen. Die Vögel zwitschern nur für uns, während ich die Mini-Bar inspiziere. Das Handy meines Mannes findet kein W-LAN, ich dafür endlich Zeit zum Durchatmen und Dasein. Okay, zugegeben: auch ich hab einen kleinen Affentanz in der Lodge aufgeführt, still hoffend, doch noch ein Stricherl Empfang zu ergattern. Aber dann lockt mich der Duft des Waldes wieder raus auf die Terrasse. Wir schalten in einen anderen Modus, werden ruhiger und genießen die gemeinsame Zeit ganz ohne Kinder, Verpflichtungen und To-Do-Listen. Ich kuschle mich in den behaglichen Polstersessel und zähle die vielen Glühwürmchen, die im Wald herumtanzen. Leicht beduselt von unseren Eindrücken fallen wir schließlich relativ zeitig ins Bett, durchs Fenster blicken wir in den Sternenhimmel.

Die prächtige Kirche des Benediktinerstiftes Melk

(c) Niederösterreich-Werbung/ Michael Liebert

Morgenstund, hat Gold im Mund

Sehr zeitig gibt’s dann am nächsten Tag Frühstück, und zwar vom Feinsten: Käse und Wurst von den Bauernhöfen nebenan, Fruchtsäfte, die hier gewachsen sind, und backfrisches Handwerk. Gut ausgeschlafen und gestärkt packen wir unsere Rucksäcke und stapfen in Richtung dunstig-nebeligen Wald. Angenehm frisch ist es um diese Tageszeit noch, munter werden fällt zur Abwechslung einmal gar nicht schwer. Der Naturpark Hochmoor Schrems ist nur einen Zwei-Minuten-Spaziergang entfernt. Vom tiefen Steinbruch, an dessen Nordkante wir unser Ziel schon sehen können, marschieren wir los. Die Stille der Moorlandschaft hat eine ganz eigene Melodie. Gemütlich bummeln wir durch bemooste Wälder, weite Feldern und an quirligen Ameisenhügeln vorbei. Wir wandern ein Stück des angrenzenden Moorlehrpfades entlang, sehen Pflanzen, die es laut den Infotafeln nur mehr hier gibt, zählen die Fliegenpilze am Wegesrand und amüsieren uns köstlich über die verspielten Otter, denen wir im Naturparkzentrum UnterWasserReich Schrems aus nächster Nähe beim Herumtollen im Wasser zusehen. Nirgendwo sonst in Mitteleuropa trifft man so viele von ihnen.

Il Suonar Parlante

(c) Naturparke Niederösterreich/ weinfranz.at

Der Stiftsinnenhof des Benediktinerstiftes Melk

(c) Naturparke Niederösterreich/ weinfranz.at

Der Stiftspavillon im barocken Garten

(c) Naturparke Niederösterreich/ weinfranz.at

Die Himmelstreppe war mir altem Feigling dann doch zu hoch ...

Der folgende Morgen beginnt wie der gestrige Abend geendet hat. Das Beste, das die natürlichen Ressourcen der Region hergeben, steht vor mir auf dem Tisch. Käse und Wurst von Bauernhöfen nebenan, Fruchtsäfte, die hier gewachsen sind, und backfrisches Handwerk, das nach den umliegenden Feldern schmeckt. Und ob Sie’s uns glauben oder nicht: Beim Zähneputzen ist auch noch ein Eichhörnchen den Nachbarbaum hochgeklettert.

Kontakt

Die Batterien aufladen, dem Rauschen der Bäume lauschen und Waldtiere in ihrem natürlichen Lebensraum beobachten. Ein ungewöhnliches Urlaubsquartier für Menschen, die mit viel Frischluft und wenig Wifi leben können.

Baumhaus Lodge Schrems
Mag. Franz Steiner
Herrenteichweg
3943 Schrems
T +43 664 73 100 690 od. +43 664 45 600 58
www.baumhaus-lodge.at

Text: Magda Bauer/Buero Bauer&Band, gebürtige Waldviertlerin übrigens
Bilder: siehe jeweils Fotocredit im Bild

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