Konrad Riegler

Der den Wald vor lauter Bäumen sieht

Natur- und Landschaftsführer Konrad Riegler geht den Wäldern am Wechsel leidenschaftlich gern auf den Grund. Naturneugierige Nasen jeden Alters können davon unter anderem bei der Waldexpedition für Wirbelwinde in Mönichkirchen profitieren.

29. Januar 2019

Lesezeit: 10 Minuten

Konrad Riegler

„Warum versiegt die Quelle jedes Jahr zur gleichen Zeit? Warum kehrt das Wasser immer wieder mit gleicher Kraft zurück und wie kann es – selbst in Zeiten extremer Hitze – mit dem gleichen Druck aus der Erde sprudeln?“

Konrad Riegler
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Konrad Riegler

„Man muss sich nur mit den Kindern beschäftigen. Die Eltern machen dann ganz von allein mit – ohne dass sie es richtig merken“

Konrad Riegler

Seit er ein Kind war, hegt Konrad Riegler eine Leidenschaft für Flora und Fauna. Während er als Bursch noch stets nur den Gipfel bei langen Wanderungen vor Augen hatte, wurde im Berufsleben als technischer Angestellter in diversen Wasser-Ressorts der Weg selbst zum Ziel. „Da geht’s nicht mehr um Kilometer, sondern um Sehen, Staunen und Begreifen“, erzählt er. Die Suche nach Antworten und Zusammenhängen habe ihn schon immer fasziniert: „Warum versiegt die Quelle jedes Jahr zur gleichen Zeit? Warum kehrt das Wasser immer wieder mit gleicher Kraft zurück und wie kann es – selbst in Zeiten extremer Hitze – mit dem gleichen Druck aus der Erde sprudeln?“ Mittlerweile erklärt der staatlich geprüfte Naturvermittler wie kein Zweiter diese komplexen Abläufe, sodass auch Fünfjährige seinen Ausführungen folgen können. „Das sind immer wieder AHA-Erlebnisse für die Kinder – aber auch für die Erwachsenen“, freut sich Riegler beim Gespräch im Sonnenhof Hechtl am Fuße der Mönichkirchner Schwaig.

Rieglers Lieblingstour ist die für Familien konzipierte Waldexpedition für Wirbelwinde:

„Man muss sich nur mit den Kindern beschäftigen. Die Eltern machen dann ganz von allein mit – ohne dass sie es richtig merken.“ Über 50 versteckte Spiel- und Mitmachstationen, natürlich vom Expeditionsleiter selbst liebevoll vorbereitet, vermitteln dabei spielerisch Wissen und machen die Vielfalt und Schönheit der Natur bewusster erlebbar. Etwa wenn die Kinder mitten im Vogelschutzgebiet von Mönichkirchen den singenden Bewohnern lauschen und lernen, sie beim Namen zu nennen oder der Frage nachgehen, warum ein schlafender Vogel nicht vom Baum fällt: „Wenn die Füße ausgestreckt sind, kann der Vogel die Zehen nicht schließen. Und umgekehrt, wenn er am Ast landet, knickt er zu und kann sie nicht mehr aufmachen“, erklärt Riegler.

Gerne schickt der Natur-Detektiv seine Gruppen auch auf die Suche nach Tannenzapfen. Verschiedenste Bockerl bringen sie ihm – von Fichten, Föhren, Kiefern oder Lärchen – nur keines von der Tanne: „Einen Tannenzapfen kann man nicht finden, denn der wächst hinauf und zerfällt noch am Baum.“ Da erwacht dann plötzlich die Gruppendynamik stets zum Leben, denn plötzlich helfen alle zusammen und es geht nicht mehr um die unlösbare Aufgabe, sondern um das Miteinander. Manch freches Eichkatzerl hat ihm aber schon geholfen, sodass er Anschauungsmaterial parat hatte. Besonders gespitzt werden die Ohren, wenn die Abenteurer erfahren, dass der Specht die Bockerl zerhackt, die Waldmaus sie feinst säuberlich abnagt und das Eichhörnchen sie genussvoll rupft.

Konrad Riegler

„Heute taugt‘s mir, morgen wiederum nicht – das hängt von der persönlichen Schwingung ab“

Zusammenhalt im Wald

Auch ganze Schulklassen besuchen den passionierten Naturliebhaber. An ein Erlebnis erinnert sich Riegler dabei besonders gern: Eine Lehrerin hatte ihm nicht gesagt, dass ein Kind im Rollstuhl mit von der Partie sein würde. „Gehen wir nur am Forstweg? Lass ich ihn zuhause? Kann ich nicht machen! Also war klar: Das ziehen wir durch.“ Gemeinsam wurde der Rollstuhl an Seilen die Böschung hinuntergelassen, wieder hochgetragen, gezogen, geschoben. „Unvergesslich war der Nachmittag“, erzählt Konrad Riegler heute. „Den Zusammenhalt, das gegenseitige Helfen und der gemeinsame Spaß – unglaublich!“ Ein besonderes Beispiel also dafür, wie Zusammenarbeit zwischen Schülerinnen und Schülern außerhalb des Klassenzimmers funktionieren kann. Emotional wird Riegler auch, wenn er von einem seiner Herzensprojekte erzählt: dem österreichischen Handclub. Seit sieben Jahren macht er seine Waldtouren mit Kindern, die an Handfehlbildungen leiden. Gemeinsam mit deren Familien sowie dem Betreuer- und Ärzteteam lässt er sie den Wald erfühlen und schenkt allen ein Stückchen Normalität und Austausch. „Da fehlen einem die Worte. Tolle Kinder, tolle Familien, lauter beeindruckende Menschen.“

Von Kraftorten, Wünschelruten und Erdstrahlen

Bei seinen Touren packt Konrad Riegler gerne Pendel und Wünschelrute ein, um mit seinen Begleitern die persönlichen Kraftorte aufzuspüren. Die eigene Schwingung und die Schwingung von Stein, Holz oder Stamm ist dabei ausschlaggebend. Das Wichtigste dabei: keine Terminhast, kein Handy, kein Druck. Wer sich darauf einlässt, kommt meist zu einem Ergebnis. Bei Kindern funktioniert das in der Regel besonders gut. Sie finden beispielsweise sofort Ameisenstraßen, die angeblich auf sogenannten Erdstrahlen verlaufen. „Kinder sind frei“, stellt Riegler treffend fest. „Die können das dann einfach.“ Wissenschaftlich belegt sind Kraftplätze, Erdstrahlen und Rutengehen nicht. Aber das macht nichts. Schließlich geht es um das positive Gefühl, das die – wenn auch vielleicht nur vermeintliche – Begegnung mit dem Unfassbaren hinterlässt.

Das schönste Feedback für Riegler und seine Arbeit ist, wenn er die Kinder wieder am Berg trifft. Dann nämlich, wenn sie ihren Eltern zeigen wollen, wo sie unterwegs waren, wo der Baum mit den vielen Spechtlöchern ist, aus denen das Harz rinnt, und wie gut das vier bis fünf Grad kalte Wasser aus der Quelle schmeckt. Das ist die schönste Auszeichnung und „mit Geld nicht aufzuwiegen“. Er arbeitet schließlich auch ehrenamtlich – aus Prinzip.

Kontakt

Konrad Riegler veranstaltet neben seiner Waldexpedition für Wirbelwinde auch Team-Building-Touren mit Unternehmen, exklusive Privattouren zu verschiedenen Anlässen, Vollmond-Führungen (sehr empfehlenswert!) sowie viele andere Themenführungen. Immer dabei ist seine Frau, die laut eigenen Angaben für den Zusammenhalt der Gruppe sorgt.

Konrad Riegler
Tauchen 80
7421 Tauchen
E-Mail: konrad-riegler-nlf@aon.at
Web: http://www.erlebedienatur.at

Fotos: BUERO.BAND/Magda Bauer

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