Wolfgang Pillgrab im Portrait, © schwarz-koenig.at

Harte Schale, weicher Kern

Wolfgang Pillgrab entdeckt in seinem Wirtshaus alte und neue Delikatessen aus dem Mostviertel

So ganz will das Äußere Wolfgang Pillgrabs, Jungwirt in der Linde zu St. Valentin, zum gemütlich gediegenen Ambiente seines Wirtshauses nicht passen. Die Linde: Kachelofen, bunte Tiffany-Fenster, stilvolle Tischkultur, helle Holzlamperie und an den Wänden alte Kupferstiche in schwarz-goldenen Rahmen. Wolfgang Pillgrab: Drahtig, Haarzopf, verschmitzter Zug um die Mundwinkel, wirkt nicht wie Anfang 30, sondern wie Anfang 20 und ein wenig so, als wäre er gerade aus einem Tonstudio gekommen. Wie sich bald herausstellt, täuscht der erste Eindruck nicht: Pillgrab ist tatsächlich Schlagzeuger in einer Band, die Progressive Rock spielt, einer sehr elaborierten und experimentellen Form der Rockmusik.

Werde ich Musiker oder Koch?, fragte sich Wolfgang Pillgrab vor 17 Jahren. Er ist dann Koch geworden, hat sich aber den kreativen Zugang des Musikers erhalten.

Musikalisches und kulinarisches Erbgut

Mit dem Schlagzeug angefangen hat Wolfgang Pillgrab schon mit vier Jahren. Das musikalische Talent hat er von seinem Vater Hans Pillgrab geerbt, der nicht nur Koch und Wirt ist, sondern auch Pianist, der regelmäßig Konzerte gibt. Vom Vater hat Wolfgang aber auch die Liebe zum Wirtsberuf mitbekommen, und als der Sohn mit 15 Jahren vor der Wahl Musikkonservatorium oder Gastronomie-Fachschule stand, entschied er sich, nicht die Trommel, sondern die Töpfe zu rühren. „Die Verbundenheit zum Wirtshaus war schlussendlich größer als die eher vagen Vorstellungen einer musikalischen Karriere“, sagt er. Die tiefe Verbindung zur Musik hat er dennoch nie abreißen lassen, heute trifft sich seine Band einmal die Woche zur Probe und absolviert rund zehn Auftritte im Jahr.

„Wenn Du das Wirtshaus übernehmen willst, dann musst du Koch werden, denn ein Wirtshaus lebt von der Küche!“

Hans Pillgrab, Vater und Wirt.