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Die Geschichte: Maria und Josef sei Dank!

Der zweite Grund für die Weinviertler Kellergassenvielfalt hat mit der Geschichte des dortigen Weinbaus zu tun. Zwar wurde in der Region schon seit dem Hochmittelalter Wein intensiv kultiviert, aber die Weingärten gehörten meist dem Adel, den Klöstern und einigen wenigen städtischen Händlern – die Weinkeller aus dieser Zeit sind denn auch die großen Zehentkeller sowie die großen Kelleranlagen unter den Städten wie zum Beispiel in Retz. Erst allmählich war es den Weinhauern erlaubt, auch ihre eigenen Weingärten zu bewirtschaften. Vor allem unter Maria Theresia und ihrem Sohn Josef II. änderten sich die Besitzverhältnisse radikal. Mit der Aufhebung der Leibeigenschaft (1781) und der Zirkularverordnung (1784), die es Bauern erlaubte, ihren selbst hergestellten Wein auch selbst zu verkaufen, wurde der Weinbau auch für kleine Höfe eine einträgliche Verdienstmöglichkeit. Freilich musste der Wein auch irgendwo gelagert werden, und in den fertigen Strukturen der Dörfer fand sich eigentlich kein Platz mehr für weitere Wirtschaftsgebäude. Außerdem wurden die oft in Niederungen an Flüssen und Bächen gelegenen Siedlungen regelmäßig überschwemmt – keine gute Idee also, unter diesen Voraussetzungen direkt im Ort Weinkeller anzulegen.