Slow Design seit 1550

Seit neun Generationen fertigt Riess Kelomat Kochgeschirr von Hand und mit eigener Wasserkraft. Friedrich Riess erzählt von der unkonventionellen Firmenphilosophie des niederösterreichischen Familienunternehmens, und warum die Produkte aus Emaille gerade jetzt ein Revival erleben.

Lesezeit: 10 Minuten

Firma Riess, Mostviertel

„Diese ,Geiz ist geil‘-Mentalität wird uns noch einmal allen furchtbar weh tun, aber das ist ausschließlich meine persönliche Meinung ...“

Firma Riess, Mostviertel
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„Das heutige Unternehmen Riess Kelomat ist ursprünglich als Pfannenschmiede entstanden, genau hier in der Eisenstraße in Ybbsitz. Und seit 1926 sind wir zu 100 Prozent energieautark"

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Die frühe Geschichte der Firma an der Eisenstrasse
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Nachhaltigkeit ist für Friedrich Riess kein einfaches Lippenbekenntnis, sondern gelebte Firmenphilosophie. Er, Cousin Julian und Cousine Susanne dürfen in neunter Generation das fortführen, was bereits im Jahr 1550 seinen Ursprung nahm. „Das heutige Unternehmen Riess Kelomat ist ursprünglich als Pfannenschmiede entstanden, genau hier in der Eisenstraße in Ybbsitz“, erzählt Friedrich Riess. Urahne Johann aus Steyr heiratete 1801 in das Hammerwerk an der Ybbs ein und produzierte schon damals Eisenartikel für die gesamte k.u.k.-Monarchie.

Nach dem ersten Weltkrieg setzte man auf Emailletöpfe und wurde zum Marktführer Österreichs. Von einst 76 Betrieben blieb man als einzig verbleibender, heimischer Kochgeschirrproduzent übrig. Denn die „Riesser“ trotzten beharrlich den mahnenden Worten verschiedenster Unternehmensberater und zogen ihr Ding einfach durch. Pfiffen auf den Einheitsbrei und setzten bewusst auf Klein- und Mittelserien im Geschirrsortiment sowie auf eine nachhaltige Produktion auf ökologischer, sozialer und ökonomischer Ebene.

Steinkohle vergeht, Wasser kommt wieder

Seit über hundert Jahren ist die Firma stromautark dank vier eigener Wasserkraftwerke. „Schon in den 20er Jahren war mein Großvater zwar vom Wirtschaftsaufschwung mit den Emaille-Produkten erfreut, jedoch zögerlich, was die Energie betraf. Damals wurde die Hitze für die Glasschmelze noch via Steinkohle angefeuert. Gesamtökologisch gesehen nicht ganz sinnvoll, daher sicherte er sich die Wasserrechte an der Ybbs.

Seit 1926 sind wir nun zu 100 Prozent energieautark“, berichtet Friedrich. Eine firmeneigene Aufbereitungsanlage hält den Wasserverbrauch überwiegend im Kreislaufprozess. Auch in sozialer Hinsicht versucht man nachhaltig zu sein. „Neuen Angestellten stehen kostengünstig Werkshäuser zur Verfügung. Unsere Mitarbeiter sollen gerne hier arbeiten, nicht nur allein des Geldes wegen. Unsere Schichten sind zeitlich so gestaltet, dass am Nachmittag fast alle bei ihrer Familie sein können. Alles was wir verlangen, leben wir selbst vor. Wichtig ist, dass jeder eine Chance bekommt, etwas besser zu machen.“

Emaille und die erste Gesundheitsgeschirrfabrik
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„Wir leben, arbeiten und produzieren in Niederösterreich, das betonen wir immer wieder“

Tradition und neues Design vereint

Die Emaille-Produkte selbst erleben derzeit ein großes Revival. Gemeinsam mit dem Designbüro dottings aus Wien schlägt man nunmehr neue Wege ein, was Farbe und Design betrifft. Mit Starköchin Sarah Wiener realisierte man bereits eine Serie von zweifärbigen Backformen. Das Sortiment umfasst unterschiedliche Linien von traditionell bis modern.

Emaille ist Glas auf Eisen im Brennofen bei 850 Grad Celsius miteinander verschmolzen. Aus diesem Grund liegt die Beliebtheit nicht nur in der Formen- und Farbenvielfalt begründet, sondern überzeugt zusätzlich durch die positiven Eigenschaften für energiesparendes und gesundes Kochen. Jedes Stück wird dabei von Hand gefertigt, in die entsprechende Form gestanzt, in Emaille getunkt, im Brennofen gebrannt und in umweltfreundliches Papier verpackt. Roboter kommen hier keine zum Einsatz: „Wir wagten mal einen Versuch, aber die Flexibilität ging dadurch verloren. Für unsere Sonderfertigungen ist das einfach nicht praktikabel, unsere Maschinen sind da wesentlich flexibler.“

Von der Region für die Region

Jedes Stück ist somit ein Unikat und hat berechtigterweise seinen Preis, wie Friedrich Riess findet: „Wir leben, arbeiten und produzieren in Niederösterreich, das betonen wir immer wieder. Nur so können wir unsere Zukunft und Umwelt mitgestalten, Arbeitsplätze schaffen und erhalten. Je weniger ein Produkt kostet, desto weniger lang ist deren Lebensdauer. Diese ,Geiz ist geil‘-Mentalität wird uns noch einmal allen furchtbar weh tun, aber das ist ausschließlich meine persönliche Meinung.“

Wir haben nie auf die Unternehmensberater gehört
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Kontakt

Die Wurzeln des traditionsreichen Unternehmens liegen im Jahre 1550. Im Jahre 1922 begann man mit der Fertigung von hochwertigem Kochgeschirr aus Emaille. Die Riess-Emaillemanufaktur ist der einzige Kochgeschirr-Hersteller in Österreich.

Von Montag bis Freitag (8 bis 10 Uhr) sind Führungen möglich. Die Mindestgröße der Gruppe beträgt 10 Personen. Dauer ca. 1 ½ Stunden. Im Anschluss an die Besichtigung gibt es die Möglichkeit im Lager Produkte mit kleinen Schönheitsfehlern einzukaufen.
Anmeldungen bitte per Mail an Teresa Fuchs: fuchs@riess.at

Fa. Riess Kelomat GmbH
Herr Friedrich Riess
Maisberg 47
3341 Ybbsitz
Telefon: 07443 86315-0
Web: https://www.riess.at

Text: Sabine Ertl
Video, Audio und Fotos: Daniel Gollner

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