Alles was Recht ist, © Manfred Horvath

Links gedreht und Recht gesprochen

Die Niederösterreichische Landesausstellung 2017
„Alles was Recht ist“ erhebt großen Anspruch auf kleinem Areal.

Erwartete und unerwartete Entdeckungen

Landesausstellungen sind stets ein willkommener Anlass für Renovation, aber auch neue Anstöße. Bei der Vorbereitung zur Ausstellung „Alles was Recht ist“ kamen unerwartete Schätze im Schloss zum Vorschein. So stieß man bei Renovierungsarbeiten auf fünfhundert Jahre alte Wandgemälde. Durch Freilegung des gotischen Gewölbes fand man zur Gesamtheit im Eingangsbereich. Im Kellerschutt entdeckte man eine links gedrehte Wendeltreppe, korrespondierend mit der vorhandenen im Wohnbereich. Typisch für die kunst- und eigensinnigen Herren von Roggendorf, ein besonders kaisertreues Geschlecht aus dem ursprünglich steirischen Raum.

Keinen Drehwurm bekommt Kuratorin Dr. Elisabeth Vavra bei der links drehenden Wendeltreppe., © Manfred Horvath

Keinen Drehwurm bekommt Kuratorin Dr. Elisabeth Vavra bei der links drehenden Wendeltreppe. Übrigens ist diese Wendeltreppe ideal zur Verteidigung. Wenn der Eindringling ein Rechtshänder ist, fällt ihm das Kämpfen mit der linken Hand schwerer, das wird zum Vorteil für den Verteidiger, der oben steht – vorausgesetzt natürlich der Verteidiger ist Rechtshänder.

Dr. Vavras persönliche Geheimtipps in der Ausstellung

Seit etlichen Jahren lebt und arbeitet die geborene Wienerin als Direktorin am „Institut für Realienkunde des Mittelalters und der frühen Neuzeit der ÖAW“ in Krems an der Donau. Ihre Kompetenz im Kuratieren von Landesausstellungen hat sie wiederholt bei Großprojekten beweisen können. Doch selbst wenn es sich bei der Niederösterreichischen Landesausstellung „Alles was Recht ist“ mit 800 Quadratmetern Schaufläche um ein relativ kleines Areal handelt, verlangt die Vorbereitung gerade dieses Themas eine umfassende Kenntnis der Materie. „Ich ackere meist 200 bis 400 Bücher zum Thema durch. Nach so seiner umfassenden Ausstellung ist mein Bücherregal wieder um etliche Meter länger geworden.“

„Ja, ich bin ein Glücksfall für meine Auftraggeber“, sagt sie, „familiär ungebunden, zu jeder Zeit erreichbar, das gilt natürlich besonders für Wochenenden“, lacht sie.

Bei dieser Ausstellung habe sie kein persönliches Lieblingsobjekt, aber einen Geheimtipp: „In der nun freigelegten gotischen Gewölbehalle findet der Besucher gleich zur Begrüßung eine Abfolge der wichtigsten Gesetzestexte aus aller Welt und Zeit. Ich bin wiederholt gelobt worden, vor allem von Juristen, weil hier auch das AGB von 1811 zu sehen ist. Das ist europaweit eines der besten Gesetzbücher und heute noch in vielen Passagen gültig. Aber so ein Büchlein kann man wohl nicht als Lieblingsobjekt bezeichnen.“