Johannes Bertl am Hof, © Magda Bauer/BUERO.BAND

Von Zuhause für Dahoam

Die Wilhelmsburger Hoflieferanten bereichern Gaumen und Region

Dieser Sommertag verspricht ein besonders heißer und guter zu werden. Wir sind im wunderschönen Traisental südlich von St. Pölten, um mit Familie Bertl von den Wilhelmsburger Hoflieferanten über ihre Geschichte, Zukunft und guten Geschmack zu sprechen. Dabei lernen wir einen lebhaft-warmherzigen Familienbetrieb kennen, der mit innovativen Ideen die Region belebt und Landwirten neue Perspektiven gibt. Ihre ausgezeichneten Joghurts, zuckerfreien Aufstriche, Käsekreationen, die verschiedenen Topfen und die Schulmilch erobern die Gaumen der Österreicher und die Regale im Einzelhandel – mit einer großen Portion Regionalität.

Willkommen am Bertlhof

Der Reihe nach lernen wir die Bertls, eine von sechs Wilhelmsburger Hoflieferanten-Familien, kennen. Es ist ein herzliches Kommen und Gehen, während getratscht, gekostet und gelacht wird. Zuerst plaudern wir mit Bettina, der Freundin von Junior-Chef Hannes und Leiterin des Büros, die sich erst in die Joghurts der Wilhelmsburger Hoflieferanten und später in Hannes verliebt hat. Später gesellt sich Oma Leopoldine zu uns, die sich als Älteste um die Jüngsten am Hof, die Kälber, kümmert. Für das leibliche Wohl von Gästen, Mitarbeitern und Familie ist Dette, Hannes‘ Schwester, zuständig. Wie die Hoflieferanten setzt auch sie auf Regionalität. Und schließlich kommt Hannes, der Herr des guten Hoflieferanten-Geschmacks und der Käserei. Mit ihm kosten wir uns durchs Sortiment und inspizieren den Hof, wo wir Mama Antonia am Backofen treffen. Einer ist heute leider unterwegs: Franz Bertl, Mitbegründer der Wilhelmsburger Hoflieferanten. Dafür reden wir die ganze Zeit über ihn. Oder besser: seine Idee.

„Mit den Füßen am Boden und mit den Händen in den Sternen.“

Hannes Bertl, Geschäftsführer der Wilhelmsburger Hoflieferanten und Visionär

Eine Idee, die die Region veränderte

Die hatten Franz Bertl und Johann Graßmann zwischen 1994 und 1995. Denn damals, kurz vor dem EU-Beitritt, blicken Österreichs Landwirte in eine ungewisse Zukunft. Nur eines ist klar: Die Milchpreise werden weiter sinken, umdenken ist gefragt. Darum unternehmen Franz und Johann eine Exkursion nach Frankreich. Was sie dort sehen, ist für beide undenkbar. „500 bis 1.000 Kühe standen dort auf den Höfen“, erzählt Bettina. Bertl und Graßmann spürten sofort, dass das nicht der Weg sein wird, den sie gehen. „Da war klar, dass sie das anders machen wollen.“ Also organisieren sie sich, errichten eine Molkerei am Bertlhof und bewirtschaften ihre kleinstrukturierten Bauernhöfe mit 40, maximal 45 Kühen in gewohnter Manier weiter – mit viel Zeit, Liebe und dem Blick fürs Detail.